Torsten Bröhan & Jianping He

Bauhaus der Lügen

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Hat Designer Jianping He seinen alten Lehrer Xu Jiang zum Trottel gemacht?

Welche Rolle spielte der deutsch-chinesische Designer Jianping He beim Verkauf von Torsten Bröhans „Bauhaus Collection“ an die China Academy of Art? Er sagt, dass er nicht davon profitiert habe. Ist das wirklich wahr?

Jahrelang machte Grafiker He Jianpings in seiner Firma Hesign International nur kleine Umsätze. Das ist für jeden Bürger im deutschen → Bundesanzeiger nachzuprüfen. Doch kurz nach Vollzug des 55-Millionen-Deals zwischen Torsten Bröhan und der → China Academy of Art steht Jianping He plötzlich als reicher Hausbesitzer da. Mit einer prachtvollen Villa im Stadtteil Wilmersdorf und später als Eigentümer eines noch größeren Anwesens in Zehlendorf, wo Hes Designagentur Hesign International residiert. Fotos von dem riesigen Gebäude sieht man → hier. Beide Immobilien repräsentieren heute einen Schätzwert zwischen 9 und 12 Mio. Euro. Dies alles legt nahe, dass He Jianping irgendwann um die Jahreswende zwischen 2010 und 2011 zum Multimillionär aufgestiegen ist. Damit dürfte Jianping Hes Wohlstand den seiner ehemaligen Lehrer und heutigen Kollegen von der China Academy of Art weit übertreffen.

Ich gehe in zwei gesonderten Artikeln auf den bemerkenswerten Aufstieg des Designers Jianping He aus Hangzhou zum → Immobilienmillionär und Herren über ein → Firmennetz ein. Hier jedoch soll des Rolle des stets tadellos gekleideten Mannes beim Verkauf der „Bauhaus Collection“ an seine alte Bildungsstätte CAA in Hangzhou beleuchtet werden.

Hangzhou ist eine chinesische Metropole nahe bei Shanghai mit einer gewissen Tradition im Kunsthandwerk  und Heimat der ältesten Kunsthochschule Chinas ist, nämlich oben benannter China Academy of Art (CAA), welche direkt dem Kulturministerium der Volksrepublik unterstellt ist. Die  Universität der Künste Berlin (UDK) betrieb gemeinsam mit der CAA 10 Jahre lang die sogenannte → Chinesisch-Deutsche Kunstakademie. 2016 lief das Austauschprogramm aus. Auf dem Campus der CAA befindet sich seit Eröffnung 2018 das etwas umständlich benamste monumentale „China Museum of Design Bauhaus Collection“ des Architekten Álvaro Siza, in dessen Sammlung das Konvolut Torsten Bröhans aufging. Wenn man die → hier verlinkte Fotogalerie durchklickt, sieht man ein paar Möbelstücke aus Bröhans Lieferung.

Dabei ist Jianping He, der seit wenigen Jahren deutscher Staatsbürger ist, gar kein Experte für klassische Designobjekte. Sein Feld ist das Grafikdesign, also die Gestaltung von gedruckten Medien, vornehmlich Plakaten. He ist Herausgeber einer beachtlichen Zahl von Monografien über zeitgenössische Grafiker, die er dem chinesischen Publikum vorstellt. Wie er dabei genau vorgeht, wird → auf dieser Website beschrieben. He ist ein Wandler zwischen den Kulturen. Und möglicherweise Nutznießer des wahrscheinlich größten Deals mit Designobjekten, den es jemals gab.

2009 traf Jianping He in Berlin auf Stephan Balzer. Der lud ihn ein, Torsten Bröhan zu besuchen. Und die Dinge nahmen ihren Lauf. Irgendwann war Balzer, der eigentlich von Bröhan beauftragt worden war, für seine „Sammlung“ einen Käufer zu finden, aus dem Spiel und He trat als → eifriger Vermittler des Riesenverkaufs nach China auf. Diese Rolle spielt er im Nachhinein herunter. So wie der schamlose Lügner Bröhan versuchte er das Gericht zu überzeugen: „Ich war nicht direkt an der Veräußerung beteiligt.“ Dokumente lassen großen Zweifel daran aufkommen. Jianping He über seine Nicht-Rolle:

Ich hatte keine Absicht daran zu verdienen. Ich habe sie [die Sammlung] wegen des Wertes und der Bedeutung weiterempfohlen. Ich hatte keinen Auftrag dies zu tun.

Auch dem chinesischen Magazin „The Paper“ erklärte He, die Vermittlung der Sammlung an die China Academy of Arts sei reines Hobby gewesen. Ist He wirklich der selbstlose Freund seiner alten Schule, der China Academy of Art, wie er es vorgibt? Oder hat He Jianping seinen alten Lehrer und heutigen Präsidenten Xu Jiang zum Trottel gemacht, indem er der CAA den überteuerten Kauf von Bröhans „Bauhaus Collection“ aufschwatzte?

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Xu Jiang (Jahrgang 1955) ist Künstler und Präsident der China Academy of Art. Er gilt als sehr prestigebewusst. 1988 ging Xu nach Hamburg, um Kunst zu studieren. Xus Intention galt stets einer Aufwertung seiner Academy of Art als wichtige Ausbildungsstätte junger Produktdesigner für Chinas Konsumwirtschaft nach dem Vorbild der Bauhaus-Bewegung aus Weimar.

Dies wusste Jianping He offenbar auszunutzen. Mitte Juni 2010, also wenige Monate vor dem Verkauf der „Bauhaus Collection“ an die CAA, schrieb He Jianping an einen gewissen Herrn Zhao, der für eine kommunale Entwicklungsgesellschaft der Stadt Hangzhou arbeitet, und drängte vehement zum Ankauf von Bröhans „Sammlung“. Mit der Begründung, dass andernfalls Südkorea zugreifen würde. Besorgt berichtete He von einem Treffen zwischen Bröhan und dem Premierminister von Südkorea und machte Vorschläge, wie man die rivalisierende Nation im Rennen um Bröhans „Sammlung“ ausbremsen könne. Ob dieses Treffen zwischen Bröhan und dem Premierminister jemals stattgefunden hat, ist fraglich. Es muss sich um das damals amtierende Staatsoberhaupt → Chung Un-chan handeln, der wenige Wochen nach Hes Meldung an Zhao zurückgetreten ist. Ein südkoreanischer Journalist, den ich um Hilfe bei meiner Recherche bat, berichtet: „Ein Treffen der Herren Torsten Bröhan und Un-chan ist nicht belegt.“ Das ist natürlich noch kein Beweis, dass die beiden Herren sich nicht gesehen haben. Vielleicht waren sie ja privat Kimchi-Eintopf essen.

Tatsächlich hat es Verhandlungen auf einer anderen Ebene gegeben. Der Bürgermeister von Seoul kam extra nach Berlin gereist, um Torsten Bröhan zu treffen. Das bestätigt Stephan Balzer. Diese Verhandlungen fanden jedoch statt, als Jianping He noch gar nicht auf den Plan getreten war und versandeten bald. Angeblich, weil der Kaufpreis für Bröhans „Sammlung“ viel zu hoch war, berichtet eine damals involvierte Galeristin aus Seoul. Hat He seinen Gesprächspartnern in Hangzhou ein Märchen aufgetischt, um für Bröhan einen lukrativen Deal herbeizuführen? Selbstverständlich stellte ich diese Frage auch an Jianping He. Er antwortete nicht.

Für jemanden, der ohne jeden persönlichen Nutzen den Weiterverkauf der Sammlung unterstütze, investierte He auffällig viel Zeit und große Mühen in das Projekt. He korrespondierte über den Ankauf der Sammlung und notierte Mitte Juni 2010 in einem Protokoll an Herrn Zhao akribisch Details über Kaufpreis, Zahlungsmodalitäten, Verpackung, Transport usw. und sorgte sich über ungewollte Publizität. Warum eigentlich? Es sei unnötig in Deutschland etwas über den Deal zu veröffentlichen, schrieb He nach China und begründet dies mit den Worten:

Es gibt Angst vor Steuerfragen.

Leider wollte mir Jianping He nicht erklären, was er genau damit meinte. Meine Fragen an ihn blieben unbeantwortet. Weitere Auszüge aus Hes Protokoll an Herrn Zhao: „Preis: 58 Millionen Euro… Herr Broehan ist verantwortlich für die Verpackung aller Werke (einschließlich einiger Verpackungen, wenn die Werke ausgestellt werden, wie z.B. Bilderrahmen usw.), die Zollabfertigungsverfahren, die Ausfuhrsteuern und die Versandkosten nach China. Die Inlandstarife und der Inlandstransport nach China sind jedoch nicht inbegriffen. Die Verpackung dieses Werkes enthält die Rahmen der meisten Werke, spezielle Ausstellungsständer für einige Werke sowie Feuchtigkeitsdichte und stoßfeste Verpackungen von professionellen Verpackungsunternehmen… Zeitplanung: Eine Vereinbarung kann im Juni unterzeichnet werden, 30% der Anzahlung können am 15. August bezahlt werden und die Zollabfertigung für Verpackung und Transport beginnt, der Restbetrag wird vor Weihnachten 2010 beglichen… Es muss einen separaten Ort für das Museum geben. Es handelt sich um ein separates Museum, nicht um einen Teil eines Gebäudes als Museum. Die Namensanforderung lautet „xx International Design Museum-Broehan Collection“ und kann nicht allein als Bauhaus-Museum bezeichnet werden…  Museumsarchitektur: [Broehan] fordert Beteiligung und kann einige europäische Architekten empfehlen, die er für geeignet hält…“

Klingt das nach Hobby? Die Legende über die kaufwütigen Südkoreaner beeindruckte vermutlich tief. Akademiechef Xu Jiang stimmte einem Ankauf zu, nachdem die Stadtregierung von Hangzhou die Finanzierung bereitgestellt hatte.

Jahre später, als Zeuge vor Gericht im Prozess zwischen Bröhan und seinem Ex-Berater Stephan Balzer, trat He Jianping betont ahnungslos auf und äußerte sich nur auf Chinesisch. Obwohl er fließend Deutsch spricht, musste ein Gerichtsdolmetscher engagiert werden. In der Verhandlung fiel He durch zahlreiche Erinnerungslücken auf. Den vollzogenen Verkauf der Sammlung habe er gar nicht mitbekommen, sagte He dem Richter, er habe angeblich erst von Balzer darüber erfahren.

Am 12. November 2010 schrieb He an Balzer, der wissen wollte, ob der Verkauf an China Fortschritte mache: „Hallo Herr Balzer, Vielen Dank für Ihre Email, ich bin grade aus Porto zurück. Im Moment habe ich sehr viel mit meiner Publikation zu tun, leider um das Bröhan-Projekt nicht weiter gekümmert, ich habe von China auch nichts weiter gehört. Ich mache noch den Kontakt, falls ich was höre, melde ich mich wieder (sieht aber nicht so positiv aus…).“

Zu diesem Zeitpunkt muss der Verkauf längst besiegelt worden sein – nach intensiver Vorbereitung durch He Jianping. Fotos beweisen, dass He im September 2010 mit einer chinesischen Delegation bei Bröhan war und es ist eindeutig zu sehen, dass man sich nicht nur zum Teetrinken traf. Aber He nebelte weiter. Am 5. Juli 2011 schrieb er an Stephan Balzer über den besiegelten Verkauf: „Zu dem Bröhan-Projekt habe ich keinen Beitrag geleistet. Die Vermittlung ist über andere Kanäle über das Kulturministerium in Peking gelaufen wie ich gehört habe.“ Und am 26. Juli: „Bitte verstehen Sie mich, ich habe mit dem Projekt nichts zu tun gehabt, ich möchte auch weiter nichts zu tun haben.“ Wenige Monate nachdem Jianping He diese Zeilen verschickte, war er ein schwerreicher Mann und → kaufte gemeinsam mit seiner Frau die erste teure Immobilie in einer guten Wohngegend von Berlin.

Diesen Text erstellte Marcus Johst, Journalist und Medienmacher in Berlin.

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